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Kurze Geschichte – Redundanz

12. November 2021

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Redundanz von Michael Schmidt

Michael Schmidts Geburt wurde im Februar 1970 von einem Hochwasser überschattet, aber es änderte nichts daran.
Er kam gesund und erfolgreich durchs Leben.
Irgendwann hat es ihn gepackt,sich in seiner Freizeit an literarische Texten zu setzen. So sind seit 2002 eine dreistellige Anzahl an Beiträgen in Magazinen, Anthologien und Podcasts zusammengekommen. Er betreut als Herausgeber das Horrormagazin Zwielicht, das seit 2009 die Szene begeistert. Selbst schreibt er meist über die dunkle Seite der Menschen und so sind seine Geschichte in der Regel düster und provokant. Er schreibt sich quer durch die Genres, zuletzt vermehrt Science Fiction, Horror und Fantasy. Der vorliegende Beitrag ist dagegen ein klassisches Krimimotiv und erschien in seiner gleichnamigen Sammlung von Kriminalgeschichten.

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Klatsch!

So ein Mist. Er hatte sie verfehlt. Sie war eine von vielen.
Lästig.
Umschwärmten ihn unermüdlich und griffen ihn an. Rochen seinen Schweiß und wollten sich an ihm laben. Er verfehlte sie meistens, doch, wenn er eine traf, fiel sie tot zu Boden. Seine Genugtuung hielt sich in Grenzen. Es erschien ihm, als würde für jede Getötete zehn Neue dieser lästigen Nervensägen hinzukommen. Er hasste Fliegen, vor allem in der letzten Zeit.

Die Hitze begann vor vier Tagen. Er kam mit der Hitze und mit ihm kamen die lästigen Biester. Sein Hass auf die Fliegen wuchs, und mit dem Hass wuchs seine innere Ruhe. Er brauchte ein Ziel für seine Aggressionen. So hielt er sie im Griff. Er stand von dem Bett auf und stellte sich in zwei Metern Abstand vor das linke Fenster. Sein rotes Haar spiegelte sich in der Scheibe. Der Schweiß brannte auf der frisch rasierten Haut. Er hasste es, wie ein abgehalfterter Penner herum zu laufen. Doch es war erst zwei Stunden her, da hatte er ein Bad genommen.
Er lugte aus dem Fenster. Die weiße Gardine konnte die Helligkeit kaum abhalten. Die Sonne stand in ihrem Zenit. Er sah an ihr vorbei. Die Luft flirrte vor Hitze. Der Asphalt schimmerte wie ein wogendes Meer. Ein Ozean der Kälte, obwohl die Sonne heiß vom Himmel brannte.

Ein Moloch, der das Leben fraß. Der Moloch, der auch ihn zu dem gemacht hatte, was er jetzt war. Der ausführende Arm der Straße. Emotionslos und ohne Hoffnung. Nur die Angst blieb, als letzter Lebensfunke. Schatten huschten durch die Straßenschluchten. Lichtscheues Gesindel, ähnlich ihm selbst. Für den Augenblick lebend. Nicht weit darüber hinaus. Ein Aufleben des Molochs, kurz und heftig. Die Schar der Namenlosen ist für kurze Zeit dezimiert, bis die Lücke sich wieder füllt, ein neuer hinzustößt. Ein stetiges Kommen und Gehen.

Er ordnete seine Gedanken wieder, indem er sich an seinen Hass erinnerte.
Die Fliegen! Doch sein wahres Ziel war etwas Anderes. Noch zwei Tage.
Er trat zurück. Beruhigte seinen Atem. Seine Zeit würde kommen. Warten, das war er gewohnt. Darin lag seine Passion.

Das dritte Bier. Scheiß warm. Genauso wie die Luft in dieser Kneipe, verdammt stickig und abgestanden. Gierig soff er die Flasche halb leer und schüttete einen Whiskey hinterher. Gegen diesen widerwärtigen Geschmack in seinem Mund. Langsam begann das Zeug zu wirken. Wohlgefühl breitete sich in seinem Magen aus, seine Stimmung besserte sich.
Die dralle Rothaarige mit dem kurzen Rock hatte es ihm angetan. Sein Blick vertiefte sich in ihren Ausschnitt. Der Ausblick beflügelte seine Phantasie. Und seinen Puls. Noch waren vier Tage Zeit. Heute würde er sich noch mal richtig austoben und ordentlich die Puppen tanzen lassen. Er setzte sein charmantestes Gesicht auf und lud sie zu einem Getränk ein. Plaudern konnte er. Sie zeigte Interesse. Ein anständiger Flirt begann. Nach dem dritten Sekt wurde ihre Körpersprache eindeutig. Sie stiegen auf Gin Tonic um.
Die Hitze zwischen Ihnen nahm zu, proportional dazu der klare Verstand ab. Langsam wurde sie weich.
Die Wirkung des Alkohols breitete sich aus.
Sie auch.
Auf dem Bett in seinem Hotelzimmer. Zwischen ihren nackten Leibern gab es nur die stetig wachsende Schweißschicht. Ihre Laute wurden urtümlicher und lauter. Wie ein Stakkato war er über ihr. Plötzlich stockend. Ein wenig weiter, und sie vergaß den letzten Rest ihrer guten Erziehung. Ermattet lagen sie da, genossen das Gefühl der sich langsam verflüchtigenden Ekstase. Befriedigt schlief er ein. Tief und traumlos.

Als er erwachte, war sie weg. Dafür waren die Kopfschmerzen da. Heftig, ohne Vorwarnung. Ein Blick in den Spiegel rief Entsetzen hervor. Seine schwarzen Haare hingen verschwitzt herunter, die Ringe unter seinen Augen waren unübersehbar.
Er riss die Dose auf. Ein kräftiger Schluck von dem warmen Bier, und das beschissene Gefühl verflüchtigte sich. Zwei weitere Dosen, und er fühlte sich wieder annähernd wie ein Mensch.
Noch zwei Tage.
Kein Problem, bis dahin würde er wieder voll auf der Höhe seiner Kräfte sein. Dessen war er sich sicher.

Stundenlang hatte er reglos auf der billigen Matratze verharrt. Gefühle unterdrückt, um den vollkommenen Zustand der Abgeschiedenheit zu erreichen. Seine Bewegungen waren kontrolliert und sicher.
Rein in die Trainingsklamotten und den Raum verlassen. Sein allmorgendliches Fitnesstraining. Den Puls und die Kondition erhöhen. Er nahm einen ganz bestimmten Weg, wie schon die letzten Tage. Sah sich die Umgebung und die Straßen an. Prägte sich jedes noch so unbedeutend erscheinende Detail ein. Erfolg setzte eine penible Planung und Vorbereitung voraus. Fehler mussten im Voraus vermieden werden.
Hinterher konnten sie einem das Leben kosten. Und er war nicht so weit gekommen, weil er Fehler machte.
Ausgepumpt und vor Einsetzen der ersten Morgenhitze war er zurück.

Entspannen in der Badewanne. Die Seele baumeln lassen. Die Rückkehr der absoluten Kontrolle über seinen Körper. Später reinigte und überprüfte er sein Arbeitsgerät. Gewissenhaft wie immer. Eine Routine, die Passion für ihn war. Der Tag endete.
Der entscheidende Tag stand bevor. Dann war die Wartezeit zu Ende. Seine Bartstoppeln kratzten vom Schweiß.

Der letzte Tag und die letzte Nacht brachen an. Der Whiskey gab ihm die nötige Ruhe, das Zittern der Hände nahm ab. Das Wohlgefühl stieg. Er überprüfte die Waffe kurz. Alles in Ordnung. Eine Zigarre als letztes Vergnügen. Noch ein Whiskey, der Pegel stieg, versetzte ihn in die nötige Stimmung. Das Warten machte ihn nervös.
Noch ein langer Tag.
Morgen würde es vorbei sein. Im richtigen Moment hatte ihn immer die nötige Ruhe ergriffen.

”Das Risiko ist zu groß. Pfeif ihn zurück. Er ist eine Gefahr für dieses Projekt. Wenn ich an die Konsequenzen denke wird mir ganz anders.”
Der ältere Mann verzog keine Miene. Allenfalls ließ sich ein Anflug von Geringschätzung in seinem Gesicht ablesen.
”Du wirst sehen, alles wird nach Plan laufen. Vertraue mir.”
Der Jüngere wischte sich den Schweiß aus der Stirn. Er konnte die Begeisterung seines Gegenübers nicht teilen. So genial die Idee auf den ersten Blick wirkte, hatte er trotzdem ein flaues Gefühl im Magen. Bei einem Scheitern des Planes war alles aus.
Aber was konnte er schon tun? Jetzt half nur eins. Abwarten. Und vielleicht täuschte er sich und alles ging gut.

Die Menschenmengen waren gewaltig. Der Mob erschien grenzenlos. Die Freude der Menschen erhitzte die Luft. Dicht gedrängt und schwitzend warteten sie auf das bevorstehende Ereignis. Er wollte ihnen ein besonderes Vergnügen bereiten. Ein Vergnügen der Art, mit dem sie nicht rechneten. Er verschmolz mit der anonymen Masse. So markant seine äußere Erscheinung bei näherem Hinsehen auch war, seine Körperhaltung ließ ihn unscheinbar wirken. Ein zufälliger Beobachter würde sich später nicht mehr an ihn erinnern. Wie ein Chamäleon tauchte er in der Menge ab, seinem Ziel entgegen.

Ein leichtes Flackern in seinen Augen verriet seine innere Anspannung. Das Rasieren hatte er sich erspart, seine Stimmung hatte dagegengesprochen. Der Alkohol gab ihm ein Gefühl der Stärke. Grob durchschritt er die Menge. Ein gezielter Bogen um die Uniformierten an der Ecke. Es wurde Zeit. Er hielt sich ab sofort im Hintergrund, Aufsehen jeglicher Art war jetzt nicht mehr angebracht. Langsam nahm er Witterung auf. Die innere Unruhe glitt von ihm ab. Der Zeitpunkt kam näher und mit ihm stieg die Vorfreude. Er brachte sich in Position. Jetzt blieb nur noch eins. Warten.

Der nach oben offene Wagen schob sich langsam durch die abgesperrte Straße. Der Präsident saß lächelnd auf der Rücksitzbank des edlen Fahrzeuges, neben ihm seine Frau. Eine Vielzahl von Polizeibeamten und Zivilstreifen versuchten, für die Sicherheit des Präsidenten zu sorgen.
Das Anzapfen der diversen Informanten aus der Unterwelt hatte kein Ergebnis gebracht. Auch gab es keine Ankündigungen terroristischer Gruppen.
Es schien kein Anschlag geplant zu sein, soweit man das nach menschlichem Ermessen im vornherein ausschließen konnte. Ein Risiko blieb aber immer. Aber das eingesetzte Polizeiaufgebot war erfahren und eingespielt. Die Wachsamkeit war groß. Die besten Polizisten des Landes waren aufgeboten worden. Es gab keine Anzeichen für eine Gefahr. Der Zug bewegte sich weiter.

In Stellung gehen.
Tiefe, ruhige Atemzüge, die innere Ruhe blieb. Er sondierte die Umgebung.
Nichts Ungewöhnliches.
Von seinem erhöhten Aussichtspunkt hatte er einen guten Überblick auf die Straßenschlucht, ohne selbst gesehen zu werden. Es wurde ernst. Die Autokolonne kam angefahren, dicht gefolgt von der Polizeieskorte. Langsam, sich mühsam durch die Menge bewegend.
Der junge Präsident saß winkend auf der Rücksitzbank des Cabrios.

Als das Fahrzeug näher kam, wechselte er die Position. Gewandt zog er die Pistole. Mit Schalldämpfer, als Zeitgewinn. Jetzt war der Wagen in Position.
Dreimal hintereinander betätigte er den Abzug der Waffe, dreimal ertönte das dumpfe Geräusch der Waffe. Er sah, wie der Präsident in sich zusammensackte. Ein Triumphgefühl durchfuhr ihn, doch es blieb keine Zeit, um den Moment auszukosten. Schnell zog er sich zurück.
Als er um die Ecke bog, stoppte ihn ein heftiger Schlag in die Schulter. Er ging zu Boden, glücklicherweise außer Sichtweite. Er blutete. Die Kugel schien durchgeschlagen zu sein. Sein Kreislauf wankte, fiel aber nicht.
Mühsam schleppte er sich weiter. Er kannte den Fluchtweg in- und auswendig. Jetzt zahlte sich aus, dass er denn Weg vier Tage lang abgelaufen war. Links, rechts, nochmals rechts, Treppe hoch und geradeaus. Er übersprang die Häuserschlucht. Jäh spürte er einen stechenden Schmerz im Fußgelenk. Mist, er war umgeknickt.
Hinter sich hörte er seine Verfolger. Mit zusammengebissenen Zähnen humpelte er weiter.
Ein plötzlicher Schmerz im Oberschenkel. Sein Bein knickte ein, die Kraft floss aus ihm heraus.
Mit einer mörderischen Kraftanstrengung riss er sich hoch, taumelte wenige Meter.
Der nächste Schlag. Er fiel wieder zu Boden. Alle Kraft schien aus ihm zu schwinden. Er versuchte sich zu erheben, er musste weiter fliehen. Da waren sie schon über ihm. Er verlor das Bewusstsein. Seine Flucht war zu Ende.

Er hielt sich im hinteren Bereich des Mobs auf. In seinem Rücken befand sich eine Wand, daneben die Einmündung zu einer kleinen Gasse. Auf der Ecke gab es einen kleinen Kiosk, sonst waren nur Wohnhäuser in der näheren Umgebung. Die Menge um ihn herum bestand vor allem aus älteren Menschen, scheinbar war ein Seniorenheim in der Nähe.
Als der Attentäter plötzlich mit gezückter Waffe auf der Empore auftauchte, war das keine Überraschung für ihn, er war einzig aus dem Grund hier, im Falle dessen Versagens einzugreifen.
Dreimal blitzte die schallgedämpfte Waffe und der Schütze zog sich zurück. Der Mob fing an zu kreischen. Die Menschen rannten panisch durcheinander. Das Chaos war perfekt. Der Präsident sank nieder, eine Kugel traf.
Oberarm.

Mist! Er hatte nur Sekundenbruchteile und zögerte keinen Moment.
Ziehen, anlegen, schießen.
Kopftreffer!
Der Präsident sackte in sich zusammen, fiel vorne über, ein kleines, harmloses Loch malte sich auf seiner Stirn ab, begleitet von einem wachsenden, roten Rinnsal, das sich einen Weg die Schläfe herunter bahnte. Auf das Gesicht des Präsidenten hatte sich ein ungläubiger Zug eingebrannt, als wäre er selbst mit Eintritt des Todes noch überrascht von der gewissenlosen Tat, der er zum Opfer gefallen war.

Eine Frau fing hysterisch an zu kreischen. Der Startschuss für eine Symphonie des Schreckens. An jeder Ecke erklang Wehklagen oder ohnmächtige Wut, Menschen verfielen in Panik und liefen durcheinander.
Dies war der richtige Moment. Schnell zog er sich aus der Menge zurück, die Waffe schon wieder verstaut. Es war unwahrscheinlich, dass sein Eingreifen bemerkt wurde. Dafür ging alles viel zu schnell. Er hatte den passenden Moment abgewartet. Seine Flucht blieb unerkannt, er rannte ja nur mit der Herde.
Auch die Sicherheitsbeamten schienen von dem ersten Attentäter so abgelenkt, dass er nicht aufgefallen war. Drei Blocks weiter stieg er in die Straßenbahn. Wenige Stationen weiter raus, zwei Minuten zu Fuß. Der Fluchtwagen.

Der Fluchtwagen. An den Verkehr anpassen und mit dem Strom schwimmen, jetzt auf gar keinen Fall mehr auffallen. Er schaltete den Polizeifunk an und was er erfuhr, beruhigte ihn ungemein. Sie hatten den Attentäter gestellt und ihn dabei lebensgefährlich verletzt. Selbst wenn er überleben sollte, wusste er nichts über einen zweiten Attentäter oder die Drahtzieher. Er fuhr sich durch die Bartstoppeln. Den Whisky im Handschuhfach ließ er unberührt. Er würde sich erst einen Drink genehmigen, wenn er in Sicherheit war. Kurzer Anruf mit dem Handy. Gleich raus aus der Maskerade. Der Auftrag war erledigt.

”Wie du siehst war mein Plan perfekt.” Sie hatten gerade den erwarteten Anruf erhalten. Sie lehnten sich zurück. Der Jüngere musste dem Älteren Recht geben. Alles war so gekommen, wie sie es geplant hatten. Trotzdem hatte er ein merkwürdiges Gefühl in der Magengegend, eine Vorahnung, das es noch nicht ausgestanden war. Er hatte eine gute Antenne für so was. Doch er wollte den Teufel nicht an die Wand malen, vielleicht irrte er sich. Er lehnte sich zurück und versuchte, sich zu entspannen.

Detektiv Elliot war genauso überrascht wie seine Kollegen, als der Schusswechsel anfing. Als alle zu dem Attentäter blickten, und das Feuer erwiderten, schaute er zufällig auf das Opfer. Sah plötzlich die Kopfwunde. Suchend schaute er sich um.

Da!

Er hatte den zweiten Attentäter im Visier. Die Waffe war schon wieder verschwunden und der Täter auf dem Rückzug. Gesicht einprägen und hinterher. Überall Menschen. Die Verfolgung geriet zum Spießrutenlauf. S-Bahn Haltestation. Der Attentäter stieg ein.
Zu spät. Der Zug fuhr ab, bevor er ihn erreichte. Elliot ärgerte sich grün. Er hatte es vermasselt. Für diesen Moment, aber noch war nicht aller Tage Abend.
Er würde den Bundestaatsanwalt informieren. Er kannte ihn flüchtig.
Seinem Vorgesetzten würde er erst einmal nichts sagen.
Vielleicht konnte er die Blamage noch abwenden. Und den erträumten Ruhm erlangen.

”Ein zweiter Attentäter? Könnten Sie ein Fahndungsbild erstellen?” Der Jüngere lauschte. ”Behalten Sie es erst einmal für sich. Das öffentliche Interesse ist gewaltig. Wir müssen einen kühlen Kopf bewahren. Kommen sie so schnell wie möglich in mein Büro. Ich werde einen Krisenstab einberufen. Und bewahren sie vor allem absolute Geheimhaltung. Niemand darf zum jetzigen Zeitpunkt etwas davon erfahren. Die nationale Sicherheit ist in Gefahr.”
Er legte auf.
”Ein Polizist namens Elliot hat den zweiten Attentäter gesehen. Ihn sogar erkannt. Er kommt so schnell wie möglich.”
Der Jüngere wusste was zu tun war. Bevor Schlimmeres geschah. Seine Befürchtungen schienen sich zu bewahrheiten.
Doch er hätte diese Position niemals erreicht, wenn er dadurch in Panik geraten würde. Sie hatten Vorsorge getroffen, nicht nur für diesen Fall. Die Situation war immer noch unter ihrer Kontrolle. Und er hoffte, es würde auch so bleiben.

”Sie sind sicher, dass es sich um die von ihnen genannte Person handelt?” fragte der Ältere.
”Ja, Herr Senator. Die Maskerade war gut, aber ich bin mir ziemlich sicher.”
”Haben Sie schon irgendjemand von ihrem Verdacht in Kenntnis gesetzt? Immerhin ist dies eine schwere Anschuldigung. Es geht hier um Sicherheitsinteresse der gesamten Nation”, bemerkte der Jüngere.
” Nein, Herr Bundesstaatsanwalt, ganz so wie sie befohlen haben!”
Der Angesprochene meldete sich zu Wort.
”Die beschuldigte Person wird in den nächsten zehn Minuten hier eintreffen, sie wird ahnungslos sein. Wir werden sie als Sonderermittler vorstellen. Bitte lassen sie sich nichts anmerken und versuchen sie, ruhig zu bleiben. Hier nehmen sie einen Kaffee. Diese brisante Situation verlangt nach ungewöhnlichen Maßnahmen. Lassen sie den Verdächtigen im Ungewissen und nicken unmerklich, wenn sie sicher sind, dass ihr Verdacht zu trifft. Wir kümmern uns dann umgehend um den Zugriff. Beamten sind entsprechend positioniert.”
Elliot nickte. Schließlich war der zu erwartende Ruhm gewaltig.

Special Agent Foster vom FBI betrat den Raum. Elliot zuckte zusammen, doch fiel es Niemandem auf. Zuerst war er unsicher gewesen, ob sein Verdacht richtig war. Schließlich wollte er hundertprozentig sicher sein, um gar niemanden fälschlicherweise zu beschuldigen. Aber er besaß eine gute Beobachtungsgabe, in vielen Berufsjahren erworben und verfeinert und jetzt sah er sie bestätigt. Foster war der zweite Attentäter gewesen.
Es war eigentlich Zufall, dass er Foster kannte. Er war am Rande bei Ermittlungen in einem Entführungsfall dabei gewesen und hatte Foster kurz kennen gelernt. Ohne die spektakuläre Befreiung der Geisel, die von dem Agenten im Alleingang durchgeführt wurde, hätte er ihn mit Sicherheit wieder vergessen.
Doch so war ihm seine Person im Gedächtnis haften geblieben. Ja, er hatte gar versucht, ihn sich als Leitbild zu nehmen und ihm nachzueifern. Leider hatte er die Aufnahmeprüfung des FBIs nicht bestanden.

Er nickte dem Staatsanwalt unmerklich zu. Und ließ sich nichts anmerken, sondern konzentrierte sich auf das Gespräch, als gelte es, den Attentäter aufzuspüren. Sie besprachen die Situation, entwarfen Vorgehensweisen, und verwarfen sie wieder. Es war ein seltsames Gefühl, mit dem Attentäter zusammen nach einer Lösung zu suchen, wie man den Fall aufklären könnte

Er fühlte sich wie in Watte gepackt. Der Kaffee war gut. Er hatte ein wohliges Gefühl in der Magengegend. Die Umgebung verschwamm und langsam breitete sich eine Schwäche in seinen Gliedern aus. Dass er samt seinem Stuhl umkippte, merkte er schon nicht mehr. Und wenn hätte es auch keine Rolle gespielt. Es wäre schließlich die letzte Wahrnehmung in seinem Leben gewesen.

Senator und Bundesstaatsanwalt traten vor die versammelten Medienvertreter. “Der Präsident ist sofort tot gewesen. Der Attentäter ist seinen Verletzungen erlegen. Wir werden jedoch die Suche nach den Drahtziehern des Attentats mit der nötigen Härte und Gewissenhaftigkeit durchführen. Alle Kräfte werden mobilisiert, damit die Schuldigen gefunden werden. Sie werden eine brutalst mögliche Aufklärung erleben.”

Hallo ihr Lieben! Ich bin Thomas Speck, ein jung gebliebener Jutebeutel, Podcaster und Österreicher, in der Reihenfolge. Eigentlich handzahm, bekannt für meinen Sarkasmus - manche nennen mich gar zynisch - und für meine beißende Satire. Jedenfalls schlagfertig, möchte ich meinen! Ich kann auch freundlich und nett, aber Blatt vorm Mund mag ich nicht. Die Wahrheit die ich sage, ist immer meine Wahrheit, ich behaupte nicht - und das erwarte ich auch nicht - damit Recht zu haben. Aber, ich fordere Dich heraus: Schreib mir auf Facebook, Instagram oder hier in den Kommentaren und Überzeuge mich!

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von Michael Schmidt

Eine Kriminalgeschichte um ein perfekt geplantes Attentat.

Der letzte Tag und die letzte Nacht brachen an. Der Whiskey gab ihm die nötige Ruhe, das Zittern der Hände nahm ab. Das Wohlgefühl stieg. Er überprüfte die Waffe kurz. Alles in Ordnung. Eine Zigarre als letztes Vergnügen. Noch ein Whiskey, der Pegel stieg, versetzte ihn in die nötige Stimmung. Das Warten machte ihn nervös.
Noch ein langer Tag.
Morgen würde es vorbei sein. Im richtigen Moment hatte ihn immer die nötige Ruhe ergriffen.

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Viel Spaß! Euer Thomas

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