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Influenceritis

9. Januar 2022

Influenceritis

9. Januar 2022

Influencer*innen … ich mag sie nicht.

Mit den durch designten Profilen, alles hübsch einem Farbschema angepasst, den immergleichen Posen und Vorspiegeln eines wunderbaren Lebens, mit dem sie versuchen ihre Follower an sich zu binden. Nichts daran ist echt und alles daran ist eine, einer bestimmten Choreografie folgenden, Inszinierung, eine einfach zu lernende Masche.

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Ich mag sie nicht, weil diese Masche funktioniert und ich darin die Bestätigung sehe, wie dekadent und abgefüllt die Gesellschaft heute ist. Ich mag Sie nicht, weil ihre Beliebtheit beweist, wie unglaublich wenig die Menschheit heute Motive hinterfragt und noch weniger versteht, was die eigentliche Botschaft so mancher Idole ist. Diese dumpfe Gefolgschaft ist es denn auch, was Influencer so gefährlich macht.

Aber, bevor ich mich hier zu breit mache, eines vorweg: Influencer*in ist nicht gleich Influencer*in – es gibt durchaus auch welche, deren Botschaft und Anliegen wichtig sind.
Dennoch bekomme ich das große Würgen, wenn ich das Wort Influencer als Berufsbezeichnung höre – eben weil jene, die wirklich etwas zu sagen haben, dies niemals ihren Beruf nennen würden, und der Rest allzumeist einfach nur aufmerksamkeitsgeile Bedauernswerte sind, die ihren mangelnden Selbstwert damit wettmachen, leicht beeinflussbare junge Leute um sich zu scharen, die selbst erst mal lernen müssten, Wirklichkeit und Fiktion voneinander zu trennen.

Die wahre Botschaft ist schlicht und ergreifend: Ruhm und Reichtum, am Besten beides zusammen, koste es was es wolle.

Ich werde mich hüten, mich hier des Outcallings schuldig zu machen, in dem ich Namen nenne, soll doch jeder machen wie er/sie will. Egal wie entsetzlich peinlich manches ist oder was für ein quadratdämliches Bild samt demoliertem Ruf diese Armutschkerln den Rest ihres leeren Lebens mit sich rumtragen müssen.
Allerdings muss es gestattet sein, ein wenig Kritik zu üben an Menschen, die auf der Spielwiese der Öffentlichkeit ihr Unwesen treiben und nur allzu oft ihr eigenes Leben und ihren Körper gewinnbringend zu vermarkten suchen und an jenen, die solchen Fake Leben auch noch folgen.

Seit ich einen Podcast habe, bewege ich mich selbst zwangsläufig auch viel in Sozialen Medien.
Wobei ich das Wort Sozial da gar nicht mag.

Wie kann etwas Sozial sein, das uns ermöglicht, ein völlig realitätsfernes Profil von uns zu erstellen auf einer Plattform, die ganz simpel den Zweck hat, ein Datenprofil unsereines anzulegen und dies dazu zu verwenden, Geld damit zu verdienen.

Natürlich darf man Geld verdienen, es geht mir hier um die Form, wie uns das Soziale dieser Medien verkauft wird, wie wir darauf reagieren und welche Blüten es treibt.

Ist der Supermarkt um die Ecke sozial? Ist eine Tankstelle sozial? Richtig, ist es nicht, obwohl man sich da persönlich treffen kann, ebenso wenig sind es Facebook, Instagram und ähnliche. Uns wird nur vorgegaukelt, das WIR sozial sind, wenn wir es nutzen.

Ich habe die nackten Anfänge von Facebook mitverfolgt, ich habe noch gesehen, was für eine schlecht geschriebene Website das war. Facebook gabs nur auf dem Computer. Viel eher hatte man noch MySpace genutzt damals als Facebook – das ja nur ein weiterer Anbieter der Selbstdarstellung war. Damals hatte noch kaum jemand ein Mobiltelefon, es gab kein Streaming oder gute online Games. Letzteres war ohnehin nur jenen vorbehalten, die eine Top Internetverbindung hatten und das war fast nur in Ballungszentren der Fall. Everquest zu spielen wäre bei mir zuhause selbst in monochromer Grafik nicht möglich gewesen.

Was heute so bedenkenlos jeder verwendet war nichts weiter als eine Plattform, die es ermöglichte mit Freunden in Kontakt zu bleiben, die man ansonsten nur alle heiligen Zeiten trifft.
Mehr konnte das Dingens auch nicht, keine Games und keine Werbung – selbst Google war ein spät gezündeter Kinderschuh, im Internet gesucht hat man damals mit Yahoo, Lycos oder AltaVista. Auch Amazon war kaum mehr als ein Online Shop, den ein Anfänger aus halbgarem html Code zusammengestrickt hatte.

Facebook bekam viele Nachahmer und jede neue Plattform bot neue Funktionen – die dann auch bei Facebook Einzug gehalten haben. Heute sind Soziale Plattformen die großen Riesen des Internets und das hat auch das Marketing entdeckt.

Das kleine Vergnügen, sich Bilder und Videos anzusehen oder einfach Profilnachrichten zu lesen, ist heute durchsetzt von Werbung, Produktplatzierungen und inhaltslosen Versprechen. Über die Jahre hat sich der Mensch schon so dran gewöhnt, das es ihm nicht mehr auffällt, aber, ehrlich? Ich weine diesen Zeiten hinterher, wo man sich noch lustig im Netz bewegen konnte, ohne selbst auf der luschigsten Seite einer Trackerverfolgung mittels Cookie zustimmen zu müssen, damit man den Inhalt sehen kann. Werbung ist heute so allgegenwärtig, das es die Jungen von heute nicht mal stört, wenn ein Drittel der Bildschirmdiagonale ihrer geliebten Handys damit zugepflastert wird. Hauptsache das App kostet nichts.

Heute gehts bei mir um das, was daraus hervorgehen kann. Denn Werbung ermöglicht heute, was früher den meisten nur schwer zugängig war – mit persönlichen Inhalten, Gedichten, Texten, Bildern und Filmchen den Lebensunterhalt zu verdienen. Vorausgesetzt, man hat eine erforderliche Mindestanzahl an Followern und entsprechende Statistiken.

An sich eine interessante Idee, Menschen, die eine Botschaft haben, sei es gesellschaftlich oder künstlerisch, einen direkten Zugang zu deren Fans zu ermöglichen und oft auch eine berufliche Karriere abseits vom bis dahin üblichen zu haben. Ein Justin Bieber hätte ohne Youtube niemals seine Karriere starten können – dasselbe gilt auch für Nischenkünstler wie die Acapella Gruppe Pentatonix, das gilt auch für viele Andere natürlich. Manche machen rein über soziale Medien ihr Geld mit hochwertigen Inhalten.

Auch Schönheits, Lifestyle, Reise Blogger sind mit Youtube, Facebook und Co plötzlich zu einer Bekanntheit aufgestiegen, die sie aus den oft übersehenen Dasein des Blogens und Berichte schreibens herausgehoben haben, und die mit nun bewegten Bildern endlich auch richtig gute Einnahmen einfahren konnten. Ein Segelkanal, dem ich seit Jahren folge, ist so in der Lage, sich deren Yacht und die Reisen in alle Welt zu finanzieren. Dafür liefern diese auch detaillierte Reiseberichte und Dokumentationen der Orte, die sie befahren, in wöchentlichem Rhythmus ab.

Menschen, die ihre Einnahmen aus derlei Medien ziehen, nennt man Influencer. Leute also, die aufgrund ihrer Reichweite einen gewissen Einfluss (Influence) auf ihre Fans haben. Weshalb sie für viele Marken und Vermarkter als Multiplikatoren und Werbeträger interessant werden und dafür eben mit Werbedeals, Spenden oder bezahlten Abonnements belohnt werden.

Das große Problem dabei ist, das viel öfter eine Scheinwelt vorgegaukelt, als echte Botschaft vermittelt wird. Und das der heutige, oftmals unreflektierte und, mangels Lese- und Verständnis-kompetenz, nahezu geistig unbewaffnete Mensch nicht in der Lage zu sein scheint, das eine vom anderen zu unterscheiden. Heute gibt es schon Kurse und Unterrichtseinheiten an Schulen damit man Medienkompetenz erlernt. Viel zu oft gehts dabei jedoch nicht darum, Maskeraden und Lügen zu erkennen, sondern nur darum, wie man derlei Medien bedient.
Wen wundert es also, das vor allem junge Menschen heute oft nur Fassaden hinterherhecheln und Phrasen, inhaltsleeren Worthülsen, Glauben schenken und als nachahmenswert empfinden?

Denn das Gros der Beauty, Produkttester und wasweißich Vlogger und Blogger spielen Dir eine Welt vor, die nichts weiter ist als das: leeres Geschwafel ohne Hintergrund, ohne Ideal ohne Aussage. Eine Welt der Flucht, der Ablenkung von wahren Leben. Die allermeisten spielen Dir eine glitzernde Welt vor, die es so gar nicht gibt, auch nicht für die Darsteller selbst.

Das Ziel ist – wie oben schon gesagt, die Werbung an den Mann und die Frau zu bringen, möglichst viele Klicks und Likes abzustauben, weil das die Conversion erhöht – die Rate also, wie sich Besucherzahlen und tatsächliche Klicks auf das Angebot verhalten. Influencer versuchen nichts weiter, als die Statistiken ihrer Profile (Auf Facebook und Instagram nennt man diese Statistiken Insights) zu erhöhen.

Auf br.de habe ich folgenden Einleitungstext gefunden, den ich gerne übernehme und zitiere.

Darum sind Influencer*innen so beliebt

Sie tanzen. Sie singen. Sie laufen durch ihre Wohnung. Sie surfen im Netz. Sie essen. Sie machen Urlaub. Sie pranken sich. Sie batteln sich. Und Millionen schauen ihnen dabei online zu. YouTuber*innen und Influencer*innen sind die neuen Stars der Jugend. Warum?

Ihr Leben ist scheinbar immer bunt und spannend, sie sind cool, ein bisschen verrückt, sie haben Style, sind Vorbilder – und: sie sind unsere Freund*innen. Nicht? Erfolgreiche Influencer*innen sind unbestritten sehr gute Unterhalter*innen, sie sprechen die gleiche Sprache wie ihre Follower*innen und haben dieselben Themen, sie lassen alle in ihre Wohnungen schauen – in ihr wahres Leben aber nicht. Die Nähe, die Influencer*innen vermitteln, gehört mit zu ihrem Beruf. Ja, das ist ein Beruf. Ein ziemlich stressiger sogar.

Und natürlich verdienen sie damit auch ihr Geld. Müssen sie ja. Doch wer bezahlt YouTuber*innen, Instagrammer*innen oder TikTok-Stars für ihre Videos? Das Schlüsselwort hierzu ist „Werbung“. Sie bekommen Geld von den Marken, deren Kleidung sie tragen. Die Kosmetikfirma, mit deren Lippenstift sich die Bloggerin den Mund rot malt, zahlt auch. Und je mehr Follower*innen und Klicks die Influencer*innen haben, desto mehr Geld bekommen sie für ihre Werbeverträge. Logisch. Manche bringen sogar eigene Produkte auf den Markt: Kosmetikserien, Pizza, Bücher, Mode. Das heißt: Die Jugendlichen sind nicht nur ihre Fans, sondern auch ihre „Währung“.

Deshalb sollte man immer einen genauen Blick darauf haben, für was die Lieblings-Influencer*innen werben, mit was sie ihr Geld machen und welche Meinungen sie deshalb dafür vertreten. Die Devise lautet: Nicht einfach nur blind beeinflussen lassen. Denn das heißt influence ja ursprünglich …

Eine Bloggerin aus Großbritannien hat sich 2018 darin verstiegen im Zuge einer Reise durch Schottland, bei einem Hotel anzufragen, ob sie nicht kostenlos dort nächtigen dürfe, wenn sie als Gegenleistung positiv über dieses Hotel berichten würde.
Das Hotel hat abgelehnt und als Argument aufgeführt, das man sein Geschäft ja dadurch bestreite, für das Umsorgen und die Nächtigung der Gäste bezahlt zu werden. Zudem sei man selbst auch Blogger und habe deutlich mehr Follower, als die Dame selbst, womit die Werbewirksamkeit eher in Frage gestellt wurde.
Diese Bloggerin hat daraufhin ein 17 Minuten langes Video gepostet, 17 Minuten unter Tränen!, in dem sie heulend beklagte, das man sie dort abgelehnt hatte und doch tatsächlich ihre Fans gebeten, das Hotel als Bestrafung mit schlechten Reviews und Bewertungen zu fluten. Anstatt sich zu schämen und ihre Vorgehensweise etwas zu überdenken, suhlte sie sich medienwirksam im Selbstmitleid, weil ihr ach so tolle – zusammengesponsorte reise – nun wertlos sei.

Was meint ihr, ist geschehen? Genau das. Die Fans dieses Huhns haben das Hotel mit schlechten Bewertungen überzogen. Ohne selbst jemals dort gewesen zu sein. Nur weil die bösen Hotelleute ihr armes geliebtes Idol zum weinen gebracht haben und dasselbe jeden, der einen Kommentar dazu abgab, ein Herzchen samt Like schenkte.
Sieht man sich das Profil der Dame an, ja, die hat ihre Followerschaft seit damals sogar verzehnfacht!, sieht man sich also die Dame heute an, kriege ich bestenfalls einen Krampf in meinen Wangenmuskeln vor lauter Lachen.
Eine fürchterlich durchgekna.. – äh – gestylte Barbie Puppe mit falschen Lippen, verengter Hüfte und inhaltleerem Blick glitzert da vom Bildschirm. Eine Frau, deren Echtheit selbst als Figur in einem Wachsfiguren Kabinett angezweifelt würde, phantasiert Dir eine Traumwelt von Fashion, Reisen und Beauty vor, die selbst die Kardashians verblassen lassen würde und benimmt sich, als wäre sie priviligiert wie ihre Queen.

Blindlings sind die Follower dieses Instagram Ruderbootes, das eine Fregatte sein will, ihrem Aufruf gefolgt und haben dafür gesorgt, das dies Hotel seit damals Influencer generell nicht mehr als Gäste haben möchte.

Ihr glaubt das ist ein Einzelfall? Ihr denkt, so dumm sind nur wenige? Irrtum, meine Lieben, Irrtum. Nichts ist schneller beleidigt, als eine Influencerin – vor allem dann, wenn sie dabei ertappt wird, das sie in Wahrheit nur eine Scheinwelt lebt. Nun, selbes gilt auch für Männer. Ob Mann oder Frau, beide setzen sich dann mehr oder weniger ungeschickt, den vermeintlichen Anfeindungen zur Wehr. Genannte Influencerin wurde im Grunde ja nicht einmal angefeindet, sie dürfte sich allerdings bei dem Hinweis, das der Hotelier selbst ein Blogger sei und 10 mal so viele Follower hätte, verschluckt haben. Sie als Influencerin als quasi nicht würdig genug zu beurteilen, war wohl zu viel für das Pseudo IT Girl.

Und das viele – sehr viele – Fans ihren Vorbildern blindlings folgen, beweisen ja auch immer wieder die Freunde der Pochers. Ja, die beiden Priviligierten nenne ich namentlich, denn die gehören zu dem schlimmsten was der Dummfunk RTL und die deutsche Comedy jemals hervorgebracht hat – zudem habe ich den Pochers ja auch schon eine eigene Folge gewidmet. Wenn Onkel Oliver sagt, dies oder jenes Profil dieser oder jener Influencerin (er nimmt sich hauptsächlich Frauen vor) dann wird das genannte Profil auch folgsam mit Hassnachrichten geflutet. Das schlimme daran ist: Die Pochers waschen sich ihre Hände ob der Shitstorms in Unschuld. Da sind sie genauso gestrickt, wie der dümmste Präsident der USA – Donald Duck- äh, verzeihung, Donald Trump, der ja auch keine Schuld dran trägt, das das Kapitol gestürmt wurde und es da Tote gab.

Ich habe schon des öfteren beobachtet wie sich der/die angehende Influencerin zu geben hat und was sie für ihren Fame zu tun bereit sein müssen. An Stränden zum Beispiel. Da sieht man sie sitzen auf ihren verschränkten Beinen, den Hintern per Hohlkreuz zur Geltung gebracht und ihr Partner – das heißt Boyfriend heutzutage – steht hinter ihr und versucht angestrengt den richtigen Winkel für den goldenen Fotoschuß zu erhaschen. So sitzen gleich 4, 5 manchmal mehr Schönheiten wie Hühner auf der Stange nebeneinander aufgereiht am Wasser und lassen die Haare wehen und schauen dabei herrlich vertieft in die untergehende Sonne.
„Nee, links, noch mehr drehen, Kopf noch ein wenig höher, ja so bleiben, guuut, cooler Shot, das bringt die Likes, genauso!“ tönt es da aus der Langen Reihe der Fotografen und die Damen räkeln sich. Dahinter auf den billigen Plätzen dann das lästige Urlaubervolk, das sich köstlich ob der peinlich dralligen Vorstellung vor ihnen amüsiert. Es ist zum weinen lächerlich und peinlich, wie Mädel sich drapieren kann, für ein bisschen zweifelhaften Fame – so nennt man berühmt sein heute.

Mitten in Kapfenberg, einer kleinen Obersteirischen Stadt, an der Kreuzung zum Bahnhof, hält ein Auto, heraus springen zwei junge Damen. Die wasserstoffverblondete Fahrerin stellt sich dort, das Auto mitten in der Kreuzung, an die Betonwand und beginnt mit den komischsten Verrenkungen, während die Beifahrerin Fotos macht, immer wieder mit der Anderen sich austauschend, was man noch verändern könne. Soweit ich es mitbekommen habe, wollten die beiden exakt um diese zeit am Tag da sein, weil da der Schattenwurf auf der Wand die – zugegeben – üppigen Kurven der Instagrammerin abbildet. So wurden mehrere Fotos gemacht, mit den schon vorhin beschriebenen Anweisungen. Die Sprache und der Umgangston der beiden ließen mich nicht darauf schließen, das die beiden der besonders gebildeten und sprachlich begabten Menschensorte angehören – da gings dann doch nur ums angeilen, Likes abstauben und verrucht sexy wirken wollen – man werde es ihm schon zeigen, was der – Schimpfwort – sich da entgehen ließe. Ich habe mich mich, im Vorbeigehen laut lachend, meiner Wege geschert – was mir ein paar spitze Bemerkungen – von wegen geiler alter Bock – eingebracht hat.

Auf Instagram gab es eine wirklich schöne junge Frau, deren Darstellungstrieb sie dazu brachte in der Aufbahrungshalle vor dem Sarg ihres Vaters ein komplettes Fotoshooting anzusetzen. Die Trauernachricht unter diesen Fotos wollte nicht so recht zu dem strahlenden Lächeln und den sexy Posen passen. Verdientermaßen bekam diese dumme Göre einen veritablen Shitstorm ab, schaffte es sogar in den MSN News und musste ihr Profil löschen.

Eine Andere Dame fiel auf, weil sie auf einem Opferdenkmal des Holocaustes halbnackt posierte.

Ein junges Mädchen auf TikTok, hat mehrere Millionen Follower, ohne ein Wort in ihren Videos zu sagen, sie tut nichts weiter, als vor dem Spiegel zu stehen und reinzuschauen. Sie ist sehr hübsch, ein junges Mädchen eben – aber, was ist ihre Aussage, für was steht sie? Nichts, es gibt nichts, man sieht ihr einfach 15 Sekunden lang beim Atmen zu. Kein tieferer Sinn, keine Botschaft, kein Lied, nichts. Für was genau hat sie 15 Millionen Follower?

Als Afghanistan von den Taliban übernommen wurde, wurde ein neuer Hashtag auf Instagram kreiert Pray for Afghanistan. 1000E vornehmlich weibliche Möchtegern Influencer haben diesen Hashtag gekapert und in ihren Fototexten ihre Solidarität bekundet. Da wurden dann allerdings die üblichen verbogen verlogenen Vanity Bilder gepostet, schöne Hintern gezeigt und lachende Gesichter. Diese Kackspratzen haben sich einer menschlichen Katastrophe bedient um auf der Welle mit zu reiten und wie unsere Politikpopulisten mal eben nebenbei ein paar Follower abzustauben.
Und wieder, nichts echtes, nichts bedeutendes. Und eine der ganz wenigen deutschen Influencerinnen, die tatsächlich etwas zu bewegen versuchte, wurde dafür vom Mobbing Großmaul Pocher in der Luft zerrissen. So hoffte er auch noch ein paar dumme als Follower mit abstauben.

Mit Vorliebe lassen sich die Damen und Herren vor den Fassaden und Eingängen zu teuren Shops ablichten – die bringen ihre eigenen Marken Einkaufstaschen mit – gekauft am letzten Türkischen Basar – stellen sich vor das Eingangstor von Gucci und stelzen dann so rum, dass es aussieht, als kämen sie eben von da und tragen ihren Einkauf raus. Alles Fake, Leute!

Ich habe euch Videos am Ende der Beschreibung verlinkt, das euch ein paar so besondere Typen zeigt und mit welchen fakes da gearbeitet wird. Sucht auf Youtube selbst mal nach Influencer Fails, wenn ihr einmal abseits von Memes lachen wollt.

Am Ende des Shootings werden Kleine Imperfections mit speziellen Fotoapps verändert, Zellulitis entfernt, Hals und Beine verlängert, Sommersprossen gekillt und das winzige Bäuchlein noch weggemacht – Perfekt, nicht?
Nein, eben nicht perfekt. Nur gefaked.

Ich arbeite seit 20 Jahren mit Photoshop – ich habe gelernt, zu sehen, wenn retuschiert wird, selbst Profis hinterlassen Spuren, wenn es daran geht körperliche Details zu verändern. Aber für den kleinen Handybildschirm reicht es und für die schmachtende Gefolgschaft sowieso.

Noch ein zwei Filter über das Bild geklatscht, die praktischerweise beim Upload von Instagram gleich angeboten werden und fertig ist der Like bringende Goldschuß. Einfach, oder?

So wie Politiker lernen, welche Posen, Gesten oder Mimiken ideal sind, folgen auch Influencer bestimmten Regeln. Seht doch einmal genauer hin, Leute!
Vergleicht die Sexy Damen und gstandenen Herren mal miteinander.

Frauen in Ganzkörperaufnahmen werden immer, ob stehend oder gehend, ihre Bein überkreuzen um ein möglichst schmales Profil zu bieten, möglichst wenig Raum ein zu nehmen. Das wirkt verhalten sexy, schlank und elegant. Als Sexy Pose von der Seite noch ein leichtes Hohlkreuz um den Po zur Geltung zu bringen. Der laszive Blick mit leicht zur Seite und nach hinten geneigten Kopf dient dazu eine gewisse Bereitschaft amouröser Natur auszustrahlen, natürlich nur fürs Foto – wo denkt man hin. Hallo?
Bei Herren ist es genau entgegengesetzt, breiter Stand, tiefe gespreitzte Hocke um dem Platzhirsch zu markieren, nicht in die Kamera schauend, der Blick schon auf das nächste Ziel gerichtet. Nicht zu vergessen der scharfe, männliche Blick dabei – immer Bewegung und Dynamik.
Alles genau die Attribute, die man als typisch männlich und weiblich bezeichnet. Und die so auch in unserer Genetik abgespeichert sind. Und genau das Feindbild aller Feministinnen. Frage ist nur, weshalb in unserer modernen Kultur das überhaupt noch wirkt, wo man doch schon ganz offiziell weiß, das es solche geschlechterspezifischen Merkmale gar nicht mehr geben darf.

Eben, weil es dem archaisch vererbten Bild von Mann und Frau entspricht und genau diese tief verborgenen Instinkte wecken soll.
Woher man das weiß?
Das ist einfach, das wird bereits im Grundkurs der Modefotografie gelehrt und dies lässt sich online aus Fotografen Tutorials erlernen. Zudem gibt es genügend Websiten, die darüber aufklären, wie genau Influncer und innen posieren sollen.
Das heißt, selbst die graueste Maus aus Hintertupfingen weiß das und kann so bewaffnet eine Karriere als Fotomodel starten. Und nichts anderes als das sind die Influencer: Models. Einfach nur Models – die sich als Werbeträger verkaufen, egal, ob das nun Reise, Beauty, Fashion oder wasauchimmer Blog ist. Denn die körperliche Darstellung ist nach wie vor die beste Einnahme Quelle.

Ja, aber die Videos die die Leutchen drehen, da ist man denen so nah und man hat das Gefühl, das man Freunde ist.
Ja, das stimmt und selbst ich recht kritischer Zeitgeist bin dem am Anfang auf den Leim gegangen.
Nein, bist Du nicht. Das ist ganz bewusst so gedreht, damit es so erscheint – es ist ein Dreh der einem Skript folgt.
Glaubst Du wirklich, die schütteln das so einfach aus dem Stegreif?
Die Augenhöhe ist eingeplant, das Du das Gefühl hast ein Gast in der Wohnung, im Schlafzimmer oder der Werkstatt zu sein, ist nur geschickte Kameraführung und Planung. Das ist so gewollt, denn dann kommt die Botschaft der platzierten Werbeartikel auch genau da an, wo sie soll, bei Dir, im emotionalen Verstand.

Diese Leute haben ganze Teams, Skriptenschreiber, Kameraleute, Videoschnitt und social Media Experten. Denkt ihr wirklich, das Dein Star auch nur einen Deut darum gibt, wie es Dir geht? Bestenfalls bekommt mal ein Kommentar von Dir ein Like – aber vom Social Media Menschen, der für Deinen Star arbeitet – er oder sie selbst hat warscheinlich keine Ahnung, dass Du überhaupt existierst.
Es gibt nur ganz wenige Youtuber oder Influencer, die sich erlauben das zu sein was sie sind, authentisch und unverfälscht. Und die sind, trotz deren Erfolg, den ich nicht schmälern möchte, weit davon entfernt die allergrößten Influencer zu sein. In Fakt leben diese meist von direkten Spenden ihrer Fans – heute Donations genannt – und Abomodellen via Patreon, Steady oder Kofi. Sehr selten von direkten Werbeverträgen. Die Werbungsblöcke die Youtube regelmässig einspielt tragen etwas dazu bei, aber diese können vom Youtuber selbst nicht kontrolliert werden, dementsprechend fällt das Einkommen – Revenue – dabei recht mager aus.

Influencer zu sein ist Arbeit und viel Arbeit noch dazu. Ein Urlaub an der Amalfiküste – diese Touristenfalle bewirbt sich selbst schon als die Location für Influencer und Blogger – ist mal eben 40 Wochenstunden Arbeit. Da ist nur wenig mit Urlaub, schließlich muß man morgens bis abends wie aus dem Ei gepellt aussehen, da ist jeder Tag minutiös geplant, weil einem konkurrierende Blogger ansonsten den Platz wegnehmen für den nächsten Shot.
Da ist oft schon monatelang vorher geplant, was wann gemacht wird, Skripten werden erstellt, Leute werden eingeladen, das muss alles terminlich abgestimmt sein. Die eine Bootsfahrt für das eine Foto vor der Kulisse dieses bunten Städtchens, inklusive Luxus Speedboot und zartem Influencer Hinterns ist schon viele Wochen zuvor gebucht. So mancher Bootsverleiher fährt tagtäglich dutzendmal die immer gleiche Tour, nur um die Massen der Influencer zu bedienen.

Selbst solche Gurken wie die vorhin erwähnte Reise-influencerin aus England, hat, obwohl offensichtlich weniger intelligent als ein Kamelmilchkefir, einen durchaus stressigen Arbeitstag.

Es gibt Fotos von Möbeln und selbst so ein alter Ikea-Kasten ist faszinierender als derlei Darstellungen.

Ist Dir nun klar, warum diese Leute die Nähe zu Dir faken? Das sie Deine Freundschaft zu ihnen ganz bewusst bespielen? Du bist für sie Währung, Du bist bare Münze wert, Du bringst ihnen Geld ein! Daran ist per se nichts falsch.

Ich folge auf Instagram auch Künstlern, einer malt mit Bleistift und Kohle fotorealistische übergroße Portraits, ein weiteres Mädel spielt so gut Gitarre, das ich aus dem Staunen nicht herauskommen – für mich ein Prodegee der Zukunft. Da sind soviele talentierte Maler, Grafiker und Bildhauer, Musiker und besondere Menschen. Ja, auch ich selbst zähle mich zu dem Kreis von Menschen, die ihren Followern tatsächlich auch etwas bieten wollen..
Und diese Profile dümpeln bei wenigen hundert Followern herum, während Fakebarbies und Kens, verzogenen Gören und dummtapsigen Buben Millionen folgen. Millionen, die ihnen den Erfolg neiden und gerne so wären wie sie – aber worin eigentlich?
Erfolg in was?
In heftigst bearbeiteten Bildern uploaden?
Darin, Einkäufe in teuersten Superläden zu faken? Sich gegenseitig in den Mund zu spucken oder darin, wer am Besten seinen Knackarsch vor der Leiche des Vaters in die Kamera hält?

Denkt ihr, Amalia Erhard hat sich während ihrer Atlantik Überquerung Gedanken über die Fotogenität ihrer Kehrseite gemacht? Stellt euch vor Thomas Alva Edison hätte ein Handy gehabt – wir würden noch heute im Dunkeln sitzen.
Und Hitler hätte wahrscheinlich seine Fakenews über Social Media verbreitet und seine Leute ganz Europa verbrennen lassen, ohne jemals selbst das Haus zu verlassen.

Gott, wie dumm muss man sein, solchen Leuten auch noch zu folgen und sie zu bewundern? Auch noch zu glauben, das da nur ein Hauch von Echt sein könnte?

Reich Schön berühmt, davon träumen so viele – aber für was wollt ihr denn berühmt sein? Für die Fassade die ihr uploadet? Für gefakte Bilder? Wisst ihr was passiert, wenn ihr eure Kinnpartie und Augenline verändert? Euren Bauch schmälert und Beine verlängert? Dann wird man euch in natura nicht erkennen, selbst wenn ihr vor einem Fan steht – was ist denn dann mit Deiner Berühmtheit, mit Deinem Fame? Willst Du, das man Dich als die ErotikGöre, die Du darstellst liebt? Was für ein Freund wird denn bei Dir bleiben, wenn er mal merkt, wie Du in Wahrheit bist? Was sagst Du Deinen Verwandten, die Dich doch in Wirklichkeit kennen – oder führst Du ein peinliches Doppelleben? Und, von heute in 20 Jahren – Was wirst Du Deiner eigenen Familie darüber erzählen? Wirst Du sie dann auch belügen? Willst du nicht lieber dafür bekannt sein, wer Du bist und wie Du Dein Leben wirklich lebst?

Wenn Du nichts zu sagen hast, dann solltest Du einfach still sein und Dein Leben leben. Wenn Du eine wahre Botschaft hast, eine Idee dann zeig Dich damit, so wie Du bist, denn Du bist eigentlich gut genug – ansonsten hättest Du ja keine Idee oder Botschaft. Aber vielleicht ist das ja genau die Botschaft heute – das es uns viel zu gut geht und wir deshalb Sodom und Gomorrha spielen, weil das Leben ist eh schon alles leer und fade?
Zeigt ihr damit nicht wie leer und dekadent ihr selbst eigentlich seid?
Dann hab ich hier einen Merksatz für Dich: Eine Leere kann man nicht mit noch mehr Leere füllen.
Nichts und Nichts ist immer noch Nichts.

Was mich am meisten schockiert ist die Tatsache, das selbst die meisten Follower wissen, das hier geschummelt wird – und trotzdem traurig sind, das sie eben nicht so aussehen. Wie jetzt? Wie kann man darüber traurig sein, nicht wie ein Falschbild auszusehen, bist Du eigentlich noch zu retten?

Jeder ist gut, jeder ist genug, ob nun der Arsch so aussieht wie bei den Amalfi Fakes oder eben ganz natürlich – jeder ist gut genug.

Ganz ohne Social Media und Fame.

Hallo ihr Lieben! Ich bin Thomas Speck, ein jung gebliebener Jutebeutel, Podcaster und Österreicher, in der Reihenfolge. Eigentlich handzahm, bekannt für meinen Sarkasmus - manche nennen mich gar zynisch - und für meine beißende Satire. Jedenfalls schlagfertig, möchte ich meinen! Ich kann auch freundlich und nett, aber Blatt vorm Mund mag ich nicht. Die Wahrheit die ich sage, ist immer meine Wahrheit, ich behaupte nicht - und das erwarte ich auch nicht - damit Recht zu haben. Aber, ich fordere Dich heraus: Schreib mir auf Social Media oder hier in den Kommentaren und Überzeuge mich!

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