Der Schalltrichter Logo
Der Schalltrichter Logo

Dumme Fragen

8. Juli 2021

Dumme Fragen

8. Juli 2021

Bitte teilt diese Folge und unterstützt den Podcast!

Danke!

Können Fragen wirklich dumm sein?

Es gibt eine Frage, die mich immer sehr aufmerksam werden lässt. Wie geht es Dir?
Sie ist eine Floskel gleichermaßen wie sie eine gute liebende Frage sein kann.

Es gibt eine Frage, die mich immer sehr aufmerksam werden lässt. Wie geht es Dir?
Sie ist eine Floskel gleichermaßen wie sie eine gute liebende Frage sein kann.
Interessierst Du Dich wirklich wie es mir geht, oder ist es dein Eisbrecher, der eine Konversation einleiten soll?

Ich finde das meist schnell heraus, indem ich Wie geht es Dir, wahrheitsgetreu beantworte, wenn ich dazu komme.
Seltsam, was man dann manchmal für Reaktionen bekommt.

Wer interessiert sich denn wirklich für den anderen, wenn man fragt: Wie geht es Dir? Will man das eigentlich tatsächlich wissen?
Ich bin manchmal in grauen Gedanken – weil das meine Persönlichkeit ist.
Das sage ich dann auch, weil ich Worte gerne nehme, als das was sie bedeuten. Ich kann schließlich nicht wissen, ob Du tatsächlich Anteil nimmst an meinem Befinden oder ob Du mich nur fragst, damit Du eine Möglichkeit hast, über dich zu reden.
Die Allermeisten haben keine Ahnung, wie oft das tatsächlich passiert – beobachte mal!

Kleines Beispiel:
Da fragt die Ellie (Name von der Redaktion geändert) Sie holt tief Luft: „wie gehts dir? Weißt, mir gehts Super, aber …“
Und noch im selben Atemzug erfahre ich davon, wie Oma den Apfelstrudel bäckt und Mama gestern wieder mal völlig daneben war und sowieso den ganzen Affenzirkus in der schule und vor allem die Jungs!
Ah, hey – hast nicht Du Mich gefragt?

Manchmal warte ich den Redefluss ab, denn grundsätzlich bin ich ein höflicher Mensch. Manchmal mach ich das aber auch nicht. Kann sein das ich dann unterbreche:
Entschuldige, aber um Deine Frage zu beantworten: es geht mir heute nicht so besonders – bin etwas betrübt, weil mich die Oberflächlichkeit mancher Menschen stört.
Mich hat aber dann schon gewundert, das Ellie einen ziemlich zügigen Abgang gemacht hat … und wenn ich es recht überlege: ich hatte bis heute keine Gelegenheit mehr, ihr zu erklären, warum ich das sagte.
Also: Hallo Ellie, wenn Du fragst, wie es mir geht, wäre es höflich erstmal zuzuwarten, bis Du eine Antwort hast, bevor Du mich mit deinem Friseur verwechselst.

Wie geht es Dir? Das ist eine sehr verbindliche Frage. Sie suggeriert echtes Interesse, lässt es so aussehen, das der fragende Anteil nimmt und verführt einen dazu, den Mund zu öffnen, um etwas dazu sagen zu wollen.
Die Andere Seite der Medaille ist, das die allermeisten das auch tun aber nicht wahrheitsgetreu antworten. „Ja Gut, Geht schon“, ist die wohl am häufigsten gesagte Lüge aller Zeiten.
Und auch dieses „ja gut geht schon“, hat zwei mögliche Bedeutungen.
Entweder, man mag nicht drüber reden. Oder, man erwartet, das der ohnehin schon fragende, nun seine zweite frage stellt: Was ist denn los?
Und dann geht es los, mit den najaas und weißt ehhs. Als ob man erst eine zweite Versicherung gebraucht hat, um dann über alles mögliche zu reden und nicht die Wahrheit zu sagen.

Dieses „ja Gut, Geht schon“ ist, was ich als dumme Antwort bezeichnen möchte und der These, das es eben keine dummen Fragen gäbe, als Beweis genügt.
Aber Fakt ist, das wir noch immer von ein und der selben Frage ausgehen. Wie geht es Dir?
Einmal ist sie dumm und einmal ist sie das nicht. Und das ist, wie nun unwiderlegbar bewiesen abhängig der Intention des Fragenden.
Wieso fragt man, wenn man es gar nicht wissen will? Oder, warum antwortet man, wenn mans gar nicht sagen will? Weshalb sagt man nicht, ich mag nicht drüber reden? Fragen die Fragen fragen – das Thema dumme Fragen scheint nur Fragen zu liefern, aber wenig Antworten.

Es gibt in meiner Siedlung zwei ältere Damen, sehr nett beide, ich mag sie gut leiden. Die beiden wohnen seit über 40 Jahren Tür an Tür hier, und beide sind Witwen.
Treffen sie sich an der Bushaltestelle oder beim Einkaufen, beginnt das Gespräch immer gleich:
„Ja, schau her, die Rosa, lang nimmer getroffen, gell? Wie gehts dir denn? Ich komm ja grade vom Doktor, stell dir vor, was da heute wieder alles los war.“
Der Rest geht unter, sich gegenseitig darin zu übertrumpfen, wer die größeren Schmerzen und das schlimmere leiden hat, die schwereren Medikamente nehmen muss und die nervigere Wartezeit beim Doktor hatte. Das mündet in einen Vergleich, wer von den beiden wohl früher in die Grube fährt, nur um die andere auch da ein wenig zu übertrumpfen.
Dieses „Wie geht es Dir“ ist ein echtes Universalgenie der Konversations-Einleitung – obwohl es meistens nur eine leere Worthülse ist, die zwar wohl klingend, nur selten echte Bedeutung hat. Eine Floskel eben.

Wo es ein Genie zur Eröffnung gibt, muss es auch eine Frage geben, die Konversationen verlängern oder beenden kann.
Universell einsetzbar soll sie sein und deshalb für alle Absichten als Ausdruck oder Auslöser geeignet.
So etwas gibt es. Es ist nur ein Wort, wogegen das „Wie geht es Dir?“ deren 4 benötigt.
Es ist dem „Wie geht es Dir“ auch haushoch überlegen, weil man es von liebevoll bis boshaft einsetzen kann. Frei nach Rene Borbonus: Wenn Du Jemanden emotional voll in die Wand fahren möchtest und in kürzester zeit zur Verzweiflung bringen willst, musst du nur ganz oft folgende Frage stellen:
Warum?
Das Warum ist das fieseste und gleichzeitig prachtvollste Exemplar einer möglicherweise dummen Frage.

Du kommst nach hause und freust Dich, das Du den Einkauf gut erledigen konntest. Du begrüßt Deinen Partner und sagst:“ Sieh mal, ich hab gleich auch den Einkauf erledigt“
Und Dein Partner (oder Partnerin) sieht dich nur an und fragt: „Warum hast du nicht auch gleich den Müll mitgenommen?“
Spürst Du es? Das ziehen in Deinem Nacken, das brennend flaue Gefühl in Deiner Magengegend?
Du weißt, das es jetzt vollkommen egal ist was du sagen kannst – der/die will nicht im geringsten wissen, warum Du den Müll nicht mitgenommen hast. Der/die will Dir eine Auswischen – aber so richtig. Das Du den Müll vergessen hast, ist vollkommen offensichtlich. Und das wird auch das Thema Deiner Strafrede sein, die Du Dir anhören kannst. Das Warum wird hier nur dazu benutzt, Dich klein zu machen. Es ist nicht wichtig, das Du Dich ohnehin schon schämst und es Dir peinlich ist, das Du das Ding vergessen hast – Neinn – man möchte auch noch gerne drauf rumeiern. Und damit der verbale Dolch so richtig fein zwischen Deine Rippen fährt, wird das Warum vorangeschickt.

Frag Dein Gegenüber nach Warum, wenn Du eine Sache nicht machen möchtest, die diese Person sich vorstellt. Frage wiederholt Warum? Und Warum? – bis sie entnervt aufgibt. Das enthebt Dich eine klare Stellung zu beziehen. Du muss nicht sagen, das Du eigentlich keinen Bock auf dieses oder jenes hast.
Warum gaukelt in diesem falle vor, das du gerne mehr wissen möchtest, lässt dich also auf der Seite des Neugierigen sein, während Dein eigentliches Ziel, den anderen zu enervieren immer näher rückt.
Und dann kannst du noch hergehen und mit dem Brustton der Überzeugung behaupten, das Du ja nur wissen wolltest … und auch da im Recht zu bleiben. Letztlich kann Dir das Warum helfen, so manche Feigheit oder Psychose zu verbergen – wenn Du sonst keinen anderen Ausweg weißt. Nur ja nicht wahrhaftig Stellung beziehen.

Herrlich, wie man Menschen mit nur einem Wort in die Rechtfertigung und Verteidigung zwingen kann.
Das bedeutet nicht, das Warum eine böse Frage ist, ganz und gar nicht. Aber es wird gerne dazu benutzt um andere auszuhebeln, sie zum Schweigen zu bringen oder klein zu halten. Und natürlich – was ihr eigentlicher Sinn ist – für genau das Gegenteil. Es gibt ganz besonders gute Warum fragen.

Der Deutschen Sprache ist zu eigen, für eine Bedeutung mehrere Wörter zu haben:
Warum
Wieso
Weshalb

Alle 3 Fragen wollen ein und dasselbe, hinter die Aussage, das Denken oder Tat eines anderen blicken und in die Tiefe gehen. Und sie sind im Grunde untereinander beliebig austauschbar.
Trotzdem wird der Lehrer – je nach Sprachvermögen – fragen: „Weshalb kreisen die Planeten um die Sonne?“ – Damit versucht er die Aufmerksamkeit seiner Schüler auf das zu binden, was er selbst gleich als Antwort geben wird.
Er wird eher dann „Warum kreisen die Planeten um die Sonne?“ fragen – wenn die Schüler das schon wissen sollten, und er das abfragen möchte.

Das wieso wird eher dann verwendet, wenn es persönlich werden soll.
Wieso hast Du das gemacht?
Also ist Weshalb eher sachlich das Wieso persönlicher. Das Warum bewegt sich irgendwo dazwischen und ist deutlich allgemeiner als die beiden Verwandten von ihm.
Zielt aber meistens doch darauf ab, dem anderen eine Frage zu stellen, deren Antwort einem selbst ohnehin schon bekannt ist.

Warum hast Du das so gemacht? ist dennoch eine völlig andere Frage, als: Warum hast Du das so nicht gemacht?
Das eine geht noch als nach dem Grund suchender Vorwurf durch, warum Herr Sohnemann das Fenster beim Nachbarn eingeschossen hat.
Das eine ist ein fragender Vorwurf, um dem Herrn Sohnemann zu verstehen zu geben, das es jetzt gleich krachen wird – weil er das Fenster des Nachbarn eingeschossen hat.
Einmal will ich wissen, wie es dazu kam – womit ich dem Sohnemann eine Chance gebe, sich zu erklären.
Und das anderemal interessiert der Sohnemann nicht die Bohne – wie beim Müll vorhin.

Im Warum – oder seinen Geschwistern Weshalb und Wieso – liegt besonders viel Kraft.
Ähnlich wie beim „Wie geht es Dir“ habe ich die Möglichkeit, meinem Gegenüber zu zeigen, das er oder sie mich interessiert, das ich Anteil habe und gerne mehr über sie oder ihn erfahren will.
Oder auch genau das Gegenteil.
Aber während das „Wie geht es Dir“ ein herrlicher Eröffner ist, egal welcher Intention der fragende ist – ist das Warum eine vertiefende oder beendende Frage. Je nach Intention kann es zu wunderbarerer Konversation mit Tiefgang führen oder in einem nervenzerfetzendem Desaster.

Es ist ein wie so oft: Etwas Gutes kann bis zur Bedeutungslosigkeit missbraucht werden und fordert deshalb unsere Achtsamkeit – wie der Umgang mit einer Waffe.
Wir können unsere Sprache mit Worten laden und Seelen damit töten – genauso wie wir dieselben Worte wie Balsam und Pflaster verwenden können.

Es gibt aber auch Fragen, die sind von Grund an dumm.Ich stehe am Lift im untersten Geschoß der Tiefgarage und mein Nachbar kommt dazu: „Hey Servus – fahrt nach oben?“
Ja, Himmel – wohin soll ich sonst fahren, nach Links? Ich bin ja schon ganz unten.

Oder auch lustig: Du liegst auf der Couch und schnarchst. Deine Freundin kommt dazu und stupst Dich an und fragt: „Hey, schläfst Du?“. Eigentlich verärgert, das man überhaupt geweckt wurde, Was soll man denn da sagen? – das man den Rasen mäht?

Dich schüttelt es vor Kälte – und Du wirst gefragt, ob Dir kalt ist.
Selbes wenn Du matt bei 37 Grad herumtappst: Ist dir warm?
Du läufst vor einem Hund davon: Hast Du Angst?

Weinst du, lachst Du – bist Du traurig? Was sollen solche Fragen, wenn man ohnehin schon sieht, das man ganz unten ist, friert, schwitzt oder schnarcht?

Mir ist Klar, man will gerne reden – aber dann stell doch nicht solche Dummschwatzfragen, die mich an der Grundintelligenz Deinereines zweifeln lassen.

Frag mich: „Wie geht es Dir?“ – Frag mich: „warum fährst Du mit dem Lift“ oder frag einfach: „Findest Du mich so uninteressant, das Du auf meiner Couch eingeschlafen bist?“
dann habe ich die Chance Dir zu sagen: „Schlecht“ „zu faul“ oder „Ja“.

Intentionen liebe Leute, Intentionen – Deine Worte verraten, wer du wirklich bist! Sie zeigen, wenn man hinsieht, was Du tatsächlich willst, sie verraten Dich hinterrücks und lassen Dir keine Chance auf ein Entkommen.
Jeder kennt die Signale, jeder die Bedeutung Deiner Betonungen und die möglichen Folgen. Jeder.
Die meisten spielen mit, weil sie es selbst so tun – manche lachen insgeheim über Dich, ich sags Dir wenigstens hier.

„Wie geht es Dir?“ und „Warum“ sind Säulen der Konversation und die Spiegel Deiner Seele, ja der Gesellschaft, mit der Du Dich umgibst.

Hallo ihr Lieben! Ich bin Thomas Speck, ein jung gebliebener Jutebeutel, Podcaster und Österreicher, in der Reihenfolge. Eigentlich handzahm, bekannt für meinen Sarkasmus - manche nennen mich gar zynisch - und für meine beißende Satire. Jedenfalls schlagfertig, möchte ich meinen! Ich kann auch freundlich und nett, aber Blatt vorm Mund mag ich nicht. Die Wahrheit die ich sage, ist immer meine Wahrheit, ich behaupte nicht - und das erwarte ich auch nicht - damit Recht zu haben. Aber, ich fordere Dich heraus: Schreib mir auf Social Media oder hier in den Kommentaren und Überzeuge mich!

Leave A Comment

Können Fragen wirklich dumm sein?

Es gibt eine Frage, die mich immer sehr aufmerksam werden lässt. Wie geht es Dir?
Sie ist eine Floskel gleichermaßen wie sie eine gute liebende Frage sein kann.
Interessierst Du Dich wirklich wie es mir geht, oder ist es dein Eisbrecher, der eine Konversation einleiten soll?Ich finde das meist schnell heraus, indem ich Wie geht es Dir, wahrheitsgetreu beantworte, wenn ich dazu komme.
Seltsam, was man dann manchmal für Reaktionen bekommt.
Wer interessiert sich denn wirklich für den anderen, wenn man fragt: Wie geht es Dir? Will man das eigentlich tatsächlich wissen?
Ich bin manchmal in grauen Gedanken – weil das meine Persönlichkeit ist.
Das sage ich dann auch, weil ich Worte gerne nehme, als das was sie bedeuten. Ich kann schließlich nicht wissen, ob Du tatsächlich Anteil nimmst an meinem Befinden oder ob Du mich nur fragst, damit Du eine Möglichkeit hast, über dich zu reden.
Die Allermeisten haben keine Ahnung, wie oft das tatsächlich passiert – beobachte mal!

Hallo ihr Lieben! Ich bin Thomas Speck, ein jung gebliebener Jutebeutel, Podcaster und Österreicher, in der Reihenfolge. Eigentlich handzahm, bekannt für meinen Sarkasmus - manche nennen mich gar zynisch - und für meine beißende Satire. Jedenfalls schlagfertig, möchte ich meinen! Ich kann auch freundlich und nett, aber Blatt vorm Mund mag ich nicht. Die Wahrheit die ich sage, ist immer meine Wahrheit, ich behaupte nicht - und das erwarte ich auch nicht - damit Recht zu haben. Aber, ich fordere Dich heraus: Schreib mir auf Social Media oder hier in den Kommentaren und Überzeuge mich!

Leave A Comment

Nach oben